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Extremes Niedrigwasser hebt Frachtraten auf Rekordhöhe

  • : Oil products
  • 26/07/29

Die Versorgungssituation entlang des Rheins und des Mains hat sich in KW 31 noch einmal dramatisch zugespitzt. Die entsprechend stark gestiegenen Frachtraten und die teils unmögliche Nachversorgung per Schiff treiben die Produktpreise an Importstandorten im Vergleich zu Raffinerien.

Die Engstelle Kaub ist zu Beginn dieser Woche unter die kritische Marke von 0,30 m gefallen und ist seitdem für einen Großteil der Binnenschiffe nicht mehr passierbar. Es gebe laut Reedern zwar einige wenige Spezialschiffe, die aufgrund ihres geringen Tiefgangs noch durchkommen — allerdings sind diese meist in Langzeitpachtverträgen fest für bestimmte Kunden eingeteilt. Und selbst dann brauche es Kapitäne mit ausreichend Erfahrung, die bestehende Untiefen bei Kaub bestens kennen.

In der Praxis sind also der Oberrhein und der Main inzwischen faktisch vom Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) abgeschnitten. Und für Marktteilnehmer in der Schweiz sind Importe über den Rhein vorerst auch keine Option mehr.

Doch auch am Niederrhein könnte es Anfang der KW 32 zu einer Einstellung der Barge-Verladung kommen. Der Pegel bei Duisburg soll bis Ende der KW 31 auf ein historisches Tief fallen. Dies würde nicht nur die Verladung von Schiffen in Duisburg unmöglich machen, sondern auch den direkten Weg von ARA zur Raffinerie Gelsenkirchen (251.000 bl/Tag) abschneiden.

Binnenschiffe, die Mineralölprodukte oder Blending-Komponenten von und zur Raffinerie transportieren, wechseln bei Duisburg vom Rhein in die Ruhr und gelangen anschließend über den Rhein-Herne-Kanal nach Gelsenkirchen. Sollte der Pegel bei Duisburg wie prognostiziert fallen, werden solche Transporte durch die deutlichen Ladebeschränkungen zumindest unwirtschaftlich — wenn nicht sogar komplett unmöglich.

Angesichts der eingeschränkten Navigation heben Reeder ihre Frachtraten für Transporte aus ARA zu Standorten am Rhein und Main bereits seit Mitte Juni an, seit der zweiten Juli-Woche hat der Anstieg der Raten noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Inzwischen liegen sie zumindest für Duisburg, Frankfurt und Karlsruhe auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Argus-Notierungen im Jahr Oberrhein auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Argus-Notierungen im Jahr 2012 (siehe Grafik).

Lediglich die Raten nach Köln und Basel waren im August 2022 bereits einmal höher als derzeit: Damals fielen niedrige Pegelstände auf dem Rhein zusammen mit Wartungsarbeiten in der Raffinerie Gelsenkirchen und Produktionsproblemen in der Raffinerie Schwechat (193.700 bl/Tag) in Österreich.

Kaum freie Kapazitäten auf der Schiene

Wenn die Nachversorgung und der Abtransport von Ware per Binnenschiff entweder erschwert oder sogar unmöglich ist, scheint die Verlagerung der Transporte auf die Schiene eine naheliegende Alternative. Allerdings gibt es laut Händlern und Reedern so gut wie keine freien Kapazitäten für zusätzliche Schienentransporte. Darüber hinaus würden derzeit viele Marktteilnehmer gleichzeitig nach Alternativen zur Barge-Belieferung suchen, was das Angebot an Schienenkapazitäten zusätzlich verknappt.

Große Preisunterschiede zwischen Import und Raffinerie

Die deutlich erschwerte Nachversorgung und das entsprechend hohe Niveau der Frachtraten führen vor allem an Importstandorten in Westdeutschland zu deutlichen Preisanstiegen im Vergleich zu Raffineriestandorten. Denn Anbieter an beispielsweise an der Miro (310.000 bl/Tag) in Karlsruhe sehen sich mit dem Problem konfrontiert, dass sie nicht wie üblich überschüssiges Produkt per Schiff an andere Standorte oder sogar nach ARA absteuern können. Entsprechend senken sie ihre Preise für die Abholung von Heizöl, Diesel oder Benzin per TKW, um den entstandenen Mengendruck zu lindern.

Die Entkopplung von Import- und Raffinerieregionen ist inzwischen ebenfalls rekordverdächtig: Sowohl Heizöl, als auch Diesel und Benzin werden in der Rhein-Main-Region teils deutlich teurer gehandelt als an der Miro (siehe Grafik). Generell ist Benzin auf dem Spotmarkt in Rhein-Main, Kölner Bucht oder West zunehmend schwer zu finden. Viele Anbieter haben sich komplett vom Spotmarkt zurückgezogen. Grund hierfür ist wahrscheinlich, dass durch das Niedrigwasser nicht genug Blending-Komponenten zur Verfügung stehen, um Benzin in gewohnter Menge zur Verfügung zu stellen.

Rheinfrachtraten von ARA nach

Rhein-Main vs. Südwest

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