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Sekundärmarkt für THG-Minderungen gewinnt an Bedeutung

  • : Oil products
  • 26/09/23

Ein wachsender Teil des Handels mit Treibhausgasminderungen findet mittlerweile nicht mehr direkt zwischen Quotenerzeugern und Quotenverpflichteten statt. Stattdessen treten zunehmend Händler als Marktakteure auf, die selbst keine Minderungen generieren und keiner Quotenverpflichtung gemäß dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) unterliegen.

Dadurch entsteht ein Sekundärmarkt für THG-Minderungen, auf dem häufig nicht die eigentliche Minderung, sondern deren Vermarktungsrecht gehandelt wird. Die zugrundeliegende Minderung verbleibt zunächst beim ursprünglichen Quotenerzeuger, während Händler die Vermarktungsrechte erwerben. Anschließend suchen die Händler einen Quotenverpflichteten als Endabnehmer der Minderung. Nach Abschluss der Vermarktung erhält der Händler die Zahlung des Käufers, während die eigentliche Übertragung der Minderung erst zu einem späteren Zeitpunkt zwischen dem ursprünglichen Quotenerzeuger und dem Quotenverpflichteten erfolgt. Im Gegensatz zu Brokern tragen Händler dabei das wirtschaftliche Risiko der Position selbst. Broker vermitteln Geschäfte lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und halten deshalb nicht die entsprechenden Rechte.

Der regulatorische Rahmen des THG-Quotenhandels wurde ursprünglich so ausgestaltet, dass Minderungen von Nicht-Verpflichteten oder übererfüllenden Quotenverpflichteten auf Quotenverpflichtete übertragen werden können. Gleichzeitig sehen § 37a Abs. 6 und 7 BImSchG vor, dass einmal übertragene Erfüllungsoptionen nicht ein weiteres Mal übertragen werden dürfen. Die zunehmende Bedeutung von Zwischenhändlern wirft daher bei einigen Marktteilnehmern Fragen hinsichtlich der ursprünglichen Intention des Gesetzgebers und der praktischen Ausgestaltung des Handels auf.

Besonders bei Minderungen für spätere Erfüllungsjahre haben solche Händler laut Marktteilnehmern eine hohe Bedeutung. Diese erwerben frühzeitig Vermarktungsrechte für zukünftige Minderungsmengen und positionieren sich auf Basis ihrer Erwartungen hinsichtlich der künftigen Preisentwicklung. Nach Einschätzung mehrerer Marktteilnehmer würde die Liquidität, insbesondere für die Folgejahre, ohne diese Akteure deutlich geringer ausfallen.

Größere Quotenverpflichtete zeigen sich häufig aufgeschlossener gegenüber dieser sekundären Marktstruktur. Händler stellen zusätzliche Liquidität bereit und ermöglichen damit den Erwerb größerer Mengen über eine einzige Gegenpartei anstatt über mehrere Quotenerzeuger oder Quotenpooler. Darüber hinaus verfügen viele Handels- und Finanzunternehmen über höhere Kapitalausstattung und Kreditwürdigkeit als einzelne Quotenerzeuger. Marktteilnehmer verweisen außerdem darauf, dass Händler aufgrund ihrer breiteren Marktpositionierung Risiken besser diversifizieren und Handelsstrategien flexibler anpassen können. Dies ermöglicht häufig auch individuellere Vertragsstrukturen und Zahlungsbedingungen.

Kleinere und mittelgroße Marktteilnehmer äußern dagegen teilweise Vorbehalte. Sie verweisen auf die zunehmende Bedeutung finanzstarker Händler bei der Preisbildung und stellen die Vergleichbarkeit einzelner Transaktionen zwischen Primär- und Sekundärmarkt infrage. Da Geschäfte im Sekundärmarkt häufig unterschiedliche Zahlungsbedingungen, Lieferzeitpunkte oder Vertragsstrukturen aufweisen, sei ein direkter Vergleich mit Geschäften zwischen Quotenerzeugern und Quotenverpflichteten nicht immer möglich.

Nach Einschätzung von Marktteilnehmern ist der THG-Markt für Händler insbesondere deshalb interessant, weil sein frühes Entwicklungsstadium in einer geringen Markteffizienz und hoher Preisvolatilität resultiert. Hinzu kommt, dass es sich bei THG-Minderungen nicht um ein physisches Produkt mit Lager-, Transport- oder Qualitätskosten handelt. Positionen können daher aufgebaut werden, ohne die für klassische Energie- oder Kraftstoffmärkte typischen operativen Kosten und Risiken tragen zu müssen.

Mit dem Wachstum des Marktes entstehen zunehmend auch komplexere Handelsstrukturen. Neben klassischen Kaufverträgen berichten Marktteilnehmer von Preisabsicherungen zwischen verschiedenen Erfüllungsjahren, Swap-Strukturen und weiteren individuell ausgestalteten Vereinbarungen für Übertragungsverträge. Ein Teil der Marktaktivität konzentriert sich damit zunehmend auf die zukünftige Preisentwicklung von THG-Minderungen und weniger ausschließlich auf deren unmittelbare Nutzung zur Quotenerfüllung.


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