Der Absatz von E10-Benzin hat aufgrund der seit Anfang März stark gestiegenen Kraftstoffpreise deutlich zugelegt, weil es im Verhältnis zu E5 noch günstiger angeboten wird. Mehrere Tankstellenbetreiber berichten zeitgleich von einer seit dem 1. Oktober deutlichen höheren Nachfrage nach Kraftstoffen, wobei Versorgungsengpässe bislang weitgehend ausbleiben.
Ein Tankstellenbetreiber berichtet, dass sich das Verhältnis von E5- zu E10-Verkäufen derzeit auf etwa 50:50 verschoben habe. Üblicherweise entfallen rund 70 % der Benzinverkäufe auf E5 und lediglich 30 % auf E10. Bei einem anderen tanken Endverbraucher inzwischen mehr E10 als E5. Ausschlaggebend seien die hohen Kraftstoffpreise und die deutlich gestiegene Preisempfindlichkeit der Verbraucher, so Tankstellenbetreiber. So lag der Großhandelspreis für E5-Benzin am 30. September — vor der befristeten Steuersenkung — rund 40 €/100l über dem Preis am 27. Februar, vor Beginn des Iran-Krieges. Dies schlägt sich entsprehchend auch in den Preisen an der Zapfsäule nieder.
Der Anstieg folgt auf eine bereits länger anhaltende Entwicklung. Nach Daten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle war der Anteil von E10 am Benzinmix in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 auf nahezu ein Drittel gestiegen. Bereits 2025 hatte E10 einen Marktanteil von rund 29 % erreicht und damit seinen Anteil gegenüber dem Vorjahr weiter ausgebaut.
Hohe Nachfrage belastet Logistik
Trotz der gestiegenen Nachfrage infolge der befristeten Energiesteuersenkung seit dem 1. Oktober berichten Marktteilnehmer bislang nicht von flächendeckenden Produktengpässen an Tankstellen. Allerdings habe sich der Nachversorgungsaufwand erhöht. Einige Betreiber müssen ihre Tankstellen derzeit täglich beliefern, da die Nachfrage außergewöhnlich hoch sei.
Einzelne Tankstellen waren vor dem Inkrafttreten der Steuersenkung zum 1. Oktober zeitweise knapp versorgt. Tankstellenbetreiber hatten ihre Bestände vor dem Inkrafttreten der Steuersenkung weitmöglichst reduziert. Seit dem 1. Oktober haben Betreiber ihre Bestände jedoch wieder aufgefüllt.
Auch an Standorten, an denen die Nachversorgung aufgrund des Niedrigwassers auf dem Rhein derzeit erschwert ist, sehen Unternehmen das Angebot als gesichert. So sei am Raffineriestandort Karlsruhe (307.000 bl/Tag) ausreichend Produkt verfügbar, um auch die Tankstellen in den Regionen entlang des Rheins mitzuversorgen.
Debatte um E5-Schutzsorte bleibt aktuell
Die jüngste Absatzentwicklung könnte die Diskussion über die Zukunft von E5-Benzin weiter befeuern. Die Bundesregierung prüft derzeit verschiedene Möglichkeiten zur Flexibilisierung des Schutzsortenstatus von E5. Das Bundesumweltministerium teilte Argus mit, dass auf Grundlage einer Entschließung des Bundestags unterschiedliche Umsetzungsoptionen untersucht werden würden. Angaben zu einer konkreten Ausgestaltung oder einem Zeitplan seien derzeit jedoch nicht möglich.
Branchenverbände und Teile der Mineralölwirtschaft setzen sich seit längerer Zeit für eine stärkere Verbreitung von E10 ein und sehen den verpflichtenden Bestandsschutz für E5 als Hindernis. Unabhängig von möglichen regulatorischen Änderungen deuten die aktuellen Marktbeobachtungen jedoch darauf hin, dass steigende Kraftstoffpreise die Akzeptanz von E10 bereits deutlich erhöhen.

