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Importe: ICE volatil, Hormus-Lage weiter unklar
Importe: ICE volatil, Hormus-Lage weiter unklar
Hamburg, 9 April (Argus) — Die ICE Gasoil Futures gaben Mitte KW 15 nach, nachdem sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten. Da die Situation in der Straße von Hormus unklar bleibt, gingen die Futures am 9. April erneut nach oben. Mögliche zusätzliche Gasölankünfte aus den USA in ARA dürften eine potenzielle Verknappung in den kommenden Wochen teilweise abfedern. Der ICE Gasoil Frontmonat April stieg am 9. April gegenüber dem Settlement des Vortags erneut um 12 % auf 1402,25 $/t, nachdem der Kontrakt am Vortag insbesondere infolge der Waffenruhe-Ankündigung im Iran-Konflikt um 20 % gegenüber dem Vortag gefallen war. Dabei ist die Volatilität weitestgehend der Unklarheit der Frage der Straße von Hormus geschuldet. Denn trotz positiver politischer Signale hat der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus seit der Ankündigung der Waffenruhe noch nicht spürbar zugenommen. Reeder warten weiterhin auf Klarheit zu Sicherheitsauflagen und Versicherungsschutz für Transits. Laut Vortexa sind derzeit keine Verladungen für westliche Regionen aus dem Persischen Golf geplant. Diese Unsicherheit belastet den Importmarkt. Hohe Importkosten und eine ausgeprägte Backwardation von über 100 $/t wenige Tage vor dem Auslaufen des April-Kontrakts der ICE Gasoil Futures halten Importeure zurück. In einer Backwardation bezahlen Käufer einen Aufschlag für prompte Abholung gegenüber späterer Verladung. In Norddeutschland wurden im April bislang nur begrenzte Volumina aus den Niederlanden und Skandinavien angeliefert. Und auch Importe über den Rhein aus dem Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) sind derzeit nicht zuletzt angesichts der hohen Backwardation wenig attraktiv (siehe Grafik). Entsprechend sei die Nachfrage nach Schiffsraum weiter schwach, so Reeder. Gleichzeitig zeichnen sich in ARA Ausgleichsmengen für ausbleibende Volumina aus dem Nahen Osten ab. Zwischen dem 16. April und dem 10. Mai werden laut vorläufigen Vortexa-Daten aus den USA Gasöl Cargos mit insgesamt 257.100 t erwartet. Das wären die höchsten US-Mengen seit Dezember 2024, was die Sorge vor einer physischen Knappheit zumindest dämpfen könnte. Von Marc Hauschild Importparitäten aus ARA nach Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere Informationen an feedback@argusmedia.com Copyright © 2026. Argus Media group . Alle Rechte vorbehalten.
Europas Spritmaßnahmen zeigen unterschiedliche Effekte
Europas Spritmaßnahmen zeigen unterschiedliche Effekte
Hamburg, 9 April (Argus) — Seit spätestens Anfang April haben zahlreiche europäische Länder Maßnahmen eingeführt, um die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs abzufedern. Die Eingriffe reichen von Steuersenkungen und Preisdeckeln bis hin zu regulatorischen Anpassungen und der Freigabe strategischer Reserven. Die Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch erheblich — mit entsprechend unterschiedlichen Effekten auf die Endverbraucherpreise für Diesel, Benzin und Heizöl. Ein Vergleich der Verbraucherpreise des Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission vom 30. März und 6. April zeigt, dass staatliche Eingriffe kurzfristig zwar dämpfend wirken können, die Effekte jedoch stark vom jeweiligen Maßnahmenpaket abhängen. Dies bestätigte sich auch nach rund sechs Wochen Irankrieg, als das Preisniveau im Vergleich zum 23. Februar in allen Ländern weiterhin erhöht blieb. Polen: Eingriffe zeigen klaren Preiseffekt Polen sticht im europäischen Vergleich deutlich hervor. Zwischen dem 30. März und dem 6. April sanken die Endverbraucherpreise für Diesel um rund 11 %, für Super 95 sogar um etwa 15 %. Damit verzeichnete Polen als eines der wenigen Länder in diesem Zeitraum einen klaren Rückgang der Kraftstoffpreise (siehe Grafik). Der Preisrückgang fällt zeitlich mit einem umfassenden staatlichen Maßnahmenpaket zusammen . Warschau senkte Ende März sowohl die Verbrauchsteuer als auch die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe und führte zusätzlich einen befristeten Mechanismus zur Begrenzung der Einzelhandelspreise ein. Die festgelegten Höchstpreise lagen im Durchschnitt rund 15 % unter dem vorherigen Marktniveau. Die Daten deuten darauf hin, dass die Kombination aus steuerlichen Entlastungen und direkter Preisregulierung unmittelbar bei den Verbrauchern ankam. Ein Unternehmen mit Tankstellen an der deutsch-polnischen Grenze berichtet, dass im Zuge der gestiegenen Kraftstoffpreise in Deutschland der sogenannte "Tanktourismus" deutscher Autofahrer nach Polen deutlich zugenommen hat. Begrenzte Preisreaktionen trotz politischer Eingriffe In mehreren westeuropäischen Ländern fiel die Preisentwicklung bei Diesel und Benzin zwischen dem 30. März und dem 6. April vergleichsweise moderat aus, darunter insbesondere Frankreich und Italien. Die Verbraucherpreise stiegen dort zwar weiterhin, die Wochenveränderungen blieben jedoch deutlich geringer als in Ländern ohne direkte Eingriffe oder mit zeitlich verzögerten Maßnahmen. In Frankreich verteuerte sich Diesel im Wochenvergleich um rund 2 %, Super 95 um etwa 1 %. Die Entwicklung fiel in eine Phase, in der Regierung und Industrie auf eine Kombination aus freiwilligen Preisbegrenzungen, regulatorischen Anpassungen und Angebotsausweitungen setzten. Italien verzeichnete ähnliche Bewegungen: Diesel legte um rund 3 % zu, Super 95 um etwa 2 %, nachdem Rom Mitte März ein Dekret zur pauschalen Senkung der Zapfsäulenpreise beschlossen hatte. In Österreich stieg der Dieselpreis um rund 1 %, während Super 95 im Wochenvergleich sogar um etwa 5 % nachgab. Österreich reduziert seit Anfang April die Steuer für Diesel und Benzin um 5 ct/l. Im Unterschied zu Polen, wo steuerliche Entlastungen, Mehrwertsteuersenkungen und ein expliziter Mechanismus zur Begrenzung von Einzelhandelspreisen zeitlich zusammenfielen und unmittelbar zu sinkenden Preisen führten, wirkten sich die Maßnahmen in Frankreich und Italien bislang lediglich dämpfend auf den Preisanstieg aus. Ein klarer Rückgang der Kraftstoffpreise wie in Polen blieb dort aus. Diese Gegenüberstellung unterstreicht, dass Art und Eingriffstiefe der Maßnahmen entscheidend für die kurzfristige Preiswirkung sind: Während Polen direkt in die Preisbildung eingreift, begrenzen andere Länder bislang vor allem die Dynamik, ohne den allgemeinen Aufwärtstrend vollständig umzukehren. Weiter steigende Preise trotz Maßnahmen In anderen Ländern stiegen die Kraftstoffpreise trotz politischer Ankündigungen weiter. In Deutschland verteuerten sich Diesel und Super 95 zwischen dem 30. März und dem 6. April um rund 6 % beziehungsweise 5 %. Zwar wurden Maßnahmenpakete beschlossen und die Freigabe nationaler Ölreserven angekündigt, konkrete steuerliche Entlastungen griffen jedoch erst später. Entsprechend zeigte sich kurzfristig kaum preisdämpfende Wirkung. Auch in Dänemark legten die Kraftstoffpreise weiter zu. Dort beschränkten sich die bisherigen Schritte auf die Teilnahme an der koordinierten IEA-Freigabe von Ölprodukten, während nationale fiskalische Eingriffe bislang ausblieben. Sechs Wochen nach Kriegsbeginn bleibt hohes Preisniveau Im längerfristigen Vergleich zeigt sich, dass Diesel und Benzin am 6. April in allen betrachteten Ländern weiterhin deutlich über dem Niveau vom 23. Februar lagen, also vor Beginn des Irankriegs (siehe Grafik). Selbst in Ländern mit sichtbaren kurzfristigen Entlastungseffekten wie Polen konnte der kriegsbedingte Preisschub bislang nur teilweise kompensiert werden. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass sich die europäischen Mitteldestillatpreise eng an der Entwicklung der ICE Gasoil Futures als maßgeblichem Wiederbeschaffungswert orientieren und sich nur begrenzt von diesen entkoppeln können. Der ICE Frontmonat für Gasoil notierte am 7. April mehr als doppelt so hoch wie kurz vor Beginn des Irankriegs. Die Daten unterstreichen entsprechend, dass nationale Maßnahmen zwar kurzfristige Preisbewegungen beeinflussen können, der grundsätzliche Aufwärtsdruck jedoch weiterhin von den internationalen Rohöl- und Produktmärkten ausgeht. Zeitpunkt, Umfang und Eingriffstiefe der Maßnahmen bleiben entscheidend für ihre Wirksamkeit. Heizöl nur begrenzt entlastet Im Gegensatz zu Kraftstoffen profitierten Heizölpreise deutlich weniger von staatlichen Eingriffen. In vielen Ländern legten sie auch zuletzt weiter zu, selbst dort, wo Diesel- und Benzinpreise stabil blieben oder sanken (sieh Grafik). Dies spiegelt wider, dass sich die meisten Maßnahmen gezielt auf den Verkehrssektor konzentrieren und der Heizölmarkt stärker dem internationalen Angebots- und Preisdruck ausgesetzt bleibt. Von Marc Hauschild und Gabriele Zindel Endverbraucherpreise 6. April vs. 30. März Endverbraucherpreise 6. April vs. 23. Februar Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere Informationen an feedback@argusmedia.com Copyright © 2026. Argus Media group . Alle Rechte vorbehalten.
US-iranische Waffenruhe drückt Ölproduktpreise
US-iranische Waffenruhe drückt Ölproduktpreise
Hamburg, 8 April (Argus) — Die Preise für europäisches Gasöl und Benzin fielen am 8. April, nachdem sich die USA und Iran über Nacht auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist seit der Ankündigung der Kampfpause bislang nicht gestiegen, da Reeder weiterhin auf Klarheit über Sicherheitsvorkehrungen und den Versicherungsschutz für Transitfahrten warten. Der Frontmonat April der ICE Gasoil Futures fiel am 8. April um 16:30 Uhr deutscher Zeit verglichen zum Settlement des Vortags um knapp 20 % auf 1.218 $/t. Dieser Kontrakt dient als Basispreis, auf dessen Grundlage europäische Diesel- und Kerosin-Cargos sowie Binnenschiffsladungen gehandelt werden. Benchmark Benzinbargen (non-oxy) wurden zur gleichen Zeit etwa 10 % günstiger gehandelt als der Schlusskurs vom 7. April. Sowohl die ICE Gasoil Futures als auch non-oxy Benzinbargen lagen jedoch weiterhin über den Vorkriegsniveaus vom 27. Februar von 752,75 $/t beziehungsweise 690 $/t. Der Rückgang der europäischen Ölproduktpreise folgte auf einen deutlichen Einbruch der ICE Brent Rohöl Futures, die seit dem 7. April um knapp 15 % gefallen sind. Die Preise für europäisches Gasöl sind nach der Verkündung der Waffenruhe stärker gefallen als die für Benzin, da der Kontinent Nettоimporteur der ersten Produktgruppe und Nettoexporteur der zweiten ist. Diesel- und Kerosinlieferungen aus dem Nahen Osten machten im vergangenen Jahr laut Kpler rund ein Fünftel beziehungsweise die Hälfte der gesamten Importe der EU, des Vereinigten Königreichs und Norwegens aus. Die USA und Iran erklärten am 7. April, die Kampfhandlungen für einen Zeitraum von zwei Wochen auszusetzen, um ein Friedensabkommen zu finalisieren. Ihre öffentlichen Stellungnahmen unterscheiden sich jedoch hinsichtlich des Status der Schifffahrt durch die Straße von Hormus, sodass weiterhin Unsicherheit über den Schiffstransit besteht. Die faktische Schließung der Straße von Hormus seit Beginn des US-Israelischen Kriegs gegen den Iran am 28. Februar hat die Lieferungen von Diesel und Kerosin aus dem Nahen Osten im März deutlich eingeschränkt. Für April wird wegen fehlender Buchungen im März ein Rückgang der Ankünfte erwartet. Der Waffenstillstand dürfte vorerst nicht zu einem Anstieg der Lieferungen aus dem Nahen Osten nach Europa führen. Für Produzenten in der Region ist es weiterhin profitabler, Produkt nach Fernost zu exportieren, was bedeutet, dass Europa weiterhin Schwierigkeiten hätte, mit anderen Regionen um verfügbare Mengen aus dem Nahen Osten und Indien zu konkurrieren. Und selbst wenn Schiffe sich jetzt auf den Weg Richtung Europa machen würden, bräuchten sie bis zur Ankunft zwischen vier und sechs Wochen. Die USA bleiben also die attraktivste Quelle für europäische Dieselimporte, so ein europäischer Dieselhändler gegenüber Argus , da der Unterschied zwischen den Preisen an der US-Golfküste und in Nordwesteuropa vergleichsweise deutlich geringer ist. Auch die Benzinpreise in Europa sind seit Beginn des Kriegs gestiegen. Dies ist auf eine geringere Verfügbarkeit von Rohöl sowie Rohbenzin und Kondensaten östlich von Suez aus dem Nahen Osten zurückzuführen. Die Ankündigung der Waffenruhe hat bislang nur geringe Auswirkungen auf die aktuelle Marktstruktur für europäisches Gasöl und Benzin. Die Struktur der ICE Gasoil Futures blieb in ausgeprägter Backwardation, wobei der Frontmonat weiterhin knapp 100 $/t über dem Folgemonat gehandelt wird. Am 27. Februar betrug die Backwardation vor Kriegsbeginn nur 9,75 $/t. Sind Futures in Backwardation, zahlen Händler für prompt verfügbare Ware einen Aufschlag gegenüber späteren Ladefenstern. Die Kurve der Eurobob Oxy Benzin Swaps zeigte am Mittwochmorgen Mai Swaps mit einem Aufschlag von 29,25 $/t gegenüber den Juni Swaps, befinden sich also auch in einer Backwardation. Die Eurobob Oxy Futures-Struktur befindet sich zu dieser Jahreszeit normalerweise im Contango, da Händler ab Mai eine höhere Nachfrage und steigende Beimischungskosten einpreisen. Reeder begrüßen Einigung, warten aber auf weitere Details Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat bestätigte die Waffenruhe, erklärte jedoch, dass der diskutierte Vorschlag eine "fortgesetzte iranische Kontrolle über die Meerenge" festschreiben würde, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die mit den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) verbunden ist. Seit der Ankündigung sind zwar einige wenige Schiffsbewegungen durch die Meerenge verzeichnet worden, darunter der griechische Massengutfrachter NJ Earth und die unter liberianischer Flagge fahrende Daytona Beach , wie der Trackingdienst MarineTraffic meldete. Insgesamt blieb das Verkehrsaufkommen jedoch begrenzt. Die Waffenruhe könnte es ermöglichen, dass sich die kommerziellen Schifffahrtsströme nach Wochen minimalen Verkehrs infolge von Sicherheitsrisiken und Versicherungsbeschränkungen während der Kämpfe zwischen den USA, Israel und Iran jetzt erholen. Dass die Durchfahrten bislang nicht zugenommen haben, spiegelt die Unsicherheit über technische, sicherheitsrelevante und versicherungstechnische Details wider. "Die Schifffahrtsindustrie wartet derzeit auf technische Details von den USA und von Iran dazu, wie die Straße von Hormus sicher passiert werden kann", sagte Jakob Larsen, Leiter für Sicherheit und Schutz beim Schifffahrtsverband Bimco. Er wies darauf hin, dass Iran weiterhin die Kontrolle über die Wasserstraße anstrebe. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) begrüßt die Waffenruhe und arbeitet "mit den relevanten Parteien an der Umsetzung eines geeigneten Mechanismus, um die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus zu gewährleisten", sagte Generalsekretär Arsenio Dominguez. Das maritime Sicherheitsunternehmen Ambrey erklärte, Iran habe trotz der Forderungen der USA nach uneingeschränkter Passage die Kontrolle über die Meerenge behalten. Es geht davon aus, dass sich das Risiko für die Schifffahrt im Nahen Osten während der Waffenruhe verringern wird, warnte jedoch, dass weiterhin "eine realistische Möglichkeit fortbestehender Risiken für nicht autorisierte Transite durch die Straße von Hormus sowie für mit Israel oder den USA verbundene Schiffe besteht, die einen Transit versuchen". Marktteilnehmer sagten, die Zahl der Rohölladungen im Nahen Osten scheine zuzunehmen, fügten jedoch hinzu, dass die Aktivität zurückhaltend bleibe, bis die Versicherer die Bedingungen für den Versicherungsschutz klar definieren. Von Johannes Guhlke, George Maher Bonnett, Josh Michalowski und Leonard Fisher Matthews Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere Informationen an feedback@argusmedia.com Copyright © 2026. Argus Media group . Alle Rechte vorbehalten.
Politik fordert mehr Produktion stützt aber auch Konsum
Politik fordert mehr Produktion stützt aber auch Konsum
Hamburg, 1 April (Argus) — Die Europäische Kommission hat empfohlen, dass "nicht-notwendige Raffineriewartungen" in Europa verschoben werden könnten und rief zur Kraftstoffeinsparung auf. Marktteilnehmer geben jedoch zu Bedenken, dass bereits getroffene staatliche Markteingriffe zur Begrenzung von Preisanstiegen für Endverbraucher dazu führen, dass die Nachfrage künstlich gestützt wird. Dies würde insbesondere für Diesel zu einem erhöhtem Importbedarf führen, was die preisreduzierenden Maßnahmen wieder wettmachen könnte. Die EU fordert die Mitgliedstaaten auf, sich auf eine "möglicherweise lang andauernde Störung" der Versorgung mit Ölprodukten vorzubereiten, die aus dem US-israelischen Krieg gegen den Iran und der damit verbundenen faktischen Schließung der Straße von Hormus resultiert. Energiekommissar Dan Jorgensen sagte den Energieministern, dass die Mitgliedstaaten in der aktuellen Situation Maßnahmen vermeiden sollten, die den Kraftstoffverbrauch erhöhen, den freien Fluss von Ölprodukten einschränken oder die Raffinerieproduktion in der EU behindern. Dem gegenüber stehen aber aus Perspektive von Marktteilnehmern die faktischen Markteingriffe, die auf nationaler Ebene von vielen europäischen Staaten bereits beschlossen wurden, die einen Rückgang der Nachfrage verhindern. Ein verstärkter Einsatz von Biokraftstoffen könne fossile Kraftstoffe ersetzen und den Druck auf die Märkte mindern, so Jorgensen. Gleichzeitig forderte er Maßnahmen zur Begrenzung der Nachfrage, insbesondere im Verkehrssektor. Beispielsweise werden die USA heimischen Raffinerien und Kraftstoffhändlern ab Mai in einigen Bundesstaaten erlauben, eine Benzinmischung mit einem höheren Ethanolanteil als üblich zu verkaufen, und darüber hinaus weitere Kraftstoffregeln aussetzen — ebenfalls als Reaktion auf die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Krieges im Nahen Osten. Argentinien hat ähnliche Maßnahmen beschlossen, und auch Länder im asiatisch-pazifischen Raum erwägen erhöhte Beimischungsquoten. In Europa hat Rumänien hingegen beschlossen, die Pflicht zur 8 % Beimischung von Biokraftstoffen zu Benzin auszusetzen, da diese die Preise für Kraftstoff im Straßenverkehr erhöhe. Die traditionelle Wartungssaison in europäischen Raffinerien findet überwiegend im März und April statt. Laut Argus Daten sollten im März rund 800.000 bl/Tag Rohöldestillationskapazität außer Betrieb sein, im April rund 200.000 bl/Tag. Viele europäische Raffinerien haben sich dagegen entschieden, Wartungsarbeiten zu verkürzen oder zu verschieben, da die Kosten für eine Verlegung oder gar Absage höher ausfallen könnten als mögliche Gewinne durch höhere Margen aufgrund der Störung der Produktströme. Seit Beginn des US-Iran Krieges sind die Raffineriemargen für Kraftstoffe — insbesondere Diesel — auf die höchsten Niveaus seit den ersten Monaten des Russland-Ukraine Krieges im Jahr 2022 gestiegen. Während die EU eine hohe Raffinerieauslastung anmahnt, sieht Orlens tschechische Tochter Orlen Unipetrol durch die Behinderungen der Produktströme über die Straße von Hormus die eigene Produktion "ernsthaft bedroht". "Infolge der Eskalation der internationalen geopolitischen Lage stehen wir derzeit vor Störungen in der Lieferkette und erheblichen Einschränkungen bei der Versorgung mit Rohstoffen, die unser Unternehmen in seinen Produktionsprozessen verwendet", erklärte das Unternehmen zur Begründung seiner Force Majeure Erklärung. Die Störungen gefährdeten die Ölverarbeitung in in der 108.000 bl/Tag Raffinerie in Litvínov sowie die Produktion in der integrierten Ethylen Einheit und den Polymerisationsanlagen, hieß es weiter. Die Force Majeure Erklärung folgt auf eine ungeplante Reduzierung der Produktion im integrierten Petrochemiekomplex von Orlen an der 327.000 bl/Tag Raffinerie Plock in Polen, nachdem das Unternehmen Rohstoffe zugunsten der Kraftstoffproduktion umgeleitet hatte. Eine weitere Unipetrol Raffinerie, die 63.000 bl/Tag Anlage Kralupy, befindet sich derzeit in einer planmäßigen Revision, die alle vier Jahre stattfindet und Mitte März begann und bis Ende April beziehungsweise Anfang Mai dauern soll. Sorge vor künstlicher Stützung der Nachfrage durch Markteingriffe Neben der Verschiebung nicht-notwendiger Raffineriewartungen mahnt die EU auch Maßnahmen zur Begrenzung der Nachfrage an. Dies deckt sich mit der Einschätzung diverser Marktteilnehmer, dass nationale staatliche Eingriffe zur Preissenkung im Endeffekt einen preissteigernden Effekt entfalten werden. Steuersenkungen auf Kraftstoffe sollen laut den jeweiligen Regierungen kurzfristig die Endverbraucherpreise senken, und Subventionen sollen den Verbrauchern helfen, hohe Preise zu bezahlen — aber beide Maßnahmen regen parallel auch die Nachfrage an. Dies würde tendenziell die internationalen Preise stützen, insbesondere in einem Markt wie dem derzeitigen, der mit begrenzten Importmöglichkeiten kämpft. Kraftstoffsteuersenkungen sind in Europa bislang die beliebteste Maßnahme: Italien, Spanien, Portugal, Norwegen, Schweden, Polen, Österreich, die Slowakei und Slowenien haben solche angekündigt. Das Vereinigte Königreich hat Subventionen für Heizölhaushalte eingeführt. Darüber hinaus senken Exportbeschränkungen zwar die inländischen Preise, stützen aber die internationalen Preise, da sie Produktvolumen innerhalb der Landesgrenzen festhalten. Einige europäische Maßnahmen haben diesen Effekt, etwa in Bulgarien, das laut einem lokalen Händler die Erteilung von Exportgenehmigungen mindestens bis zum 12. April ausgesetzt hat. Rumänien verlangt nun staatliche Zustimmung für den Export von Diesel oder Benzin. Die Slowakei hat angedeutet, dass sie Exporte einschränken wird. Währenddessen wäre eine Rationierung der direkteste Weg, Preise zu senken — indem die Nachfrage an das Angebot angepasst wird — aber sie ist in Europa bislang selten. Nur die Slowakei und Slowenien haben Kaufmengenbegrenzungen für Straßenkraftstoffe eingeführt, weitere Länder könnten bald folgen. Preisobergrenzen hingegen klingen für Verbraucher oft attraktiver und können internationale Preise sogar senken: Zwischenhändler zahlen möglicherweise weniger, weil sie den Preis nicht an ihre Kunden weitergeben dürfen. Aber Preisobergrenzen führen in der Regel auch zu einem Rückgang des lokalen Angebots, weil Anbieter naturgemäß versuchen, möglichst viel Produkt in Märkte zu verkaufen, in denen die Preise nicht gedeckelt sind. Deshalb werden Preisobergrenzen häufig abgeschwächt, um diese Nebenwirkungen zu vermeiden. Ungarn etwa hat die Kraftstoffpreise nur für Autos mit inländischem Kennzeichen gedeckelt, nicht jedoch für andere Fahrzeuge. Von Johannes Guhlke und Tomasz Stepien Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere Informationen an feedback@argusmedia.com Copyright © 2026. Argus Media group . Alle Rechte vorbehalten.
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