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01.04.26
Politik fordert mehr Produktion stützt aber auch Konsum
Politik fordert mehr Produktion stützt aber auch Konsum
Hamburg, 1 April (Argus) — Die Europäische Kommission hat empfohlen, dass
"nicht-notwendige Raffineriewartungen" in Europa verschoben werden könnten und
rief zur Kraftstoffeinsparung auf. Marktteilnehmer geben jedoch zu Bedenken,
dass bereits getroffene staatliche Markteingriffe zur Begrenzung von
Preisanstiegen für Endverbraucher dazu führen, dass die Nachfrage künstlich
gestützt wird. Dies würde insbesondere für Diesel zu einem erhöhtem Importbedarf
führen, was die preisreduzierenden Maßnahmen wieder wettmachen könnte. Die EU
fordert die Mitgliedstaaten auf, sich auf eine "möglicherweise lang andauernde
Störung" der Versorgung mit Ölprodukten vorzubereiten, die aus dem
US-israelischen Krieg gegen den Iran und der damit verbundenen faktischen
Schließung der Straße von Hormus resultiert. Energiekommissar Dan Jorgensen
sagte den Energieministern, dass die Mitgliedstaaten in der aktuellen Situation
Maßnahmen vermeiden sollten, die den Kraftstoffverbrauch erhöhen, den freien
Fluss von Ölprodukten einschränken oder die Raffinerieproduktion in der EU
behindern. Dem gegenüber stehen aber aus Perspektive von Marktteilnehmern die
faktischen Markteingriffe, die auf nationaler Ebene von vielen europäischen
Staaten bereits beschlossen wurden
(https://direct.argusmedia.com/newsandanalysis/article/2808392), die einen
Rückgang der Nachfrage verhindern. Ein verstärkter Einsatz von Biokraftstoffen
könne fossile Kraftstoffe ersetzen und den Druck auf die Märkte mindern, so
Jorgensen. Gleichzeitig forderte er Maßnahmen zur Begrenzung der Nachfrage,
insbesondere im Verkehrssektor. Beispielsweise werden die USA heimischen
Raffinerien und Kraftstoffhändlern ab Mai in einigen Bundesstaaten erlauben,
eine Benzinmischung mit einem höheren Ethanolanteil als üblich zu verkaufen, und
darüber hinaus weitere Kraftstoffregeln aussetzen — ebenfalls als Reaktion auf
die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Krieges im Nahen Osten.
Argentinien hat ähnliche Maßnahmen beschlossen, und auch Länder im
asiatisch-pazifischen Raum erwägen erhöhte Beimischungsquoten. In Europa hat
Rumänien hingegen beschlossen, die Pflicht zur 8 % Beimischung von
Biokraftstoffen zu Benzin auszusetzen, da diese die Preise für Kraftstoff im
Straßenverkehr erhöhe. Die traditionelle Wartungssaison in europäischen
Raffinerien findet überwiegend im März und April statt. Laut Argus Daten sollten
im März rund 800.000 bl/Tag Rohöldestillationskapazität außer Betrieb sein, im
April rund 200.000 bl/Tag. Viele europäische Raffinerien haben sich dagegen
entschieden, Wartungsarbeiten zu verkürzen oder zu verschieben, da die Kosten
für eine Verlegung oder gar Absage höher ausfallen könnten als mögliche Gewinne
durch höhere Margen aufgrund der Störung der Produktströme. Seit Beginn des
US-Iran Krieges sind die Raffineriemargen für Kraftstoffe — insbesondere Diesel
— auf die höchsten Niveaus seit den ersten Monaten des Russland-Ukraine Krieges
im Jahr 2022 gestiegen. Während die EU eine hohe Raffinerieauslastung anmahnt,
sieht Orlens tschechische Tochter Orlen Unipetrol durch die Behinderungen der
Produktströme über die Straße von Hormus die eigene Produktion "ernsthaft
bedroht". "Infolge der Eskalation der internationalen geopolitischen Lage stehen
wir derzeit vor Störungen in der Lieferkette und erheblichen Einschränkungen bei
der Versorgung mit Rohstoffen, die unser Unternehmen in seinen
Produktionsprozessen verwendet", erklärte das Unternehmen zur Begründung seiner
Force Majeure Erklärung. Die Störungen gefährdeten die Ölverarbeitung in in der
108.000 bl/Tag Raffinerie in Litvínov sowie die Produktion in der integrierten
Ethylen Einheit und den Polymerisationsanlagen, hieß es weiter. Die Force
Majeure Erklärung folgt auf eine ungeplante Reduzierung der Produktion im
integrierten Petrochemiekomplex von Orlen an der 327.000 bl/Tag Raffinerie Plock
in Polen, nachdem das Unternehmen Rohstoffe zugunsten der Kraftstoffproduktion
umgeleitet hatte. Eine weitere Unipetrol Raffinerie, die 63.000 bl/Tag Anlage
Kralupy, befindet sich derzeit in einer planmäßigen Revision, die alle vier
Jahre stattfindet und Mitte März begann und bis Ende April beziehungsweise
Anfang Mai dauern soll. Sorge vor künstlicher Stützung der Nachfrage durch
Markteingriffe Neben der Verschiebung nicht-notwendiger Raffineriewartungen
mahnt die EU auch Maßnahmen zur Begrenzung der Nachfrage an. Dies deckt sich mit
der Einschätzung diverser Marktteilnehmer, dass nationale staatliche Eingriffe
zur Preissenkung im Endeffekt einen preissteigernden Effekt entfalten werden.
Steuersenkungen auf Kraftstoffe sollen laut den jeweiligen Regierungen
kurzfristig die Endverbraucherpreise senken, und Subventionen sollen den
Verbrauchern helfen, hohe Preise zu bezahlen — aber beide Maßnahmen regen
parallel auch die Nachfrage an. Dies würde tendenziell die internationalen
Preise stützen, insbesondere in einem Markt wie dem derzeitigen, der mit
begrenzten Importmöglichkeiten kämpft. Kraftstoffsteuersenkungen sind in Europa
bislang die beliebteste Maßnahme: Italien, Spanien, Portugal, Norwegen,
Schweden, Polen, Österreich, die Slowakei und Slowenien haben solche
angekündigt. Das Vereinigte Königreich hat Subventionen für Heizölhaushalte
eingeführt. Darüber hinaus senken Exportbeschränkungen zwar die inländischen
Preise, stützen aber die internationalen Preise, da sie Produktvolumen innerhalb
der Landesgrenzen festhalten. Einige europäische Maßnahmen haben diesen Effekt,
etwa in Bulgarien, das laut einem lokalen Händler die Erteilung von
Exportgenehmigungen mindestens bis zum 12. April ausgesetzt hat. Rumänien
verlangt nun staatliche Zustimmung für den Export von Diesel oder Benzin. Die
Slowakei hat angedeutet, dass sie Exporte einschränken wird. Währenddessen wäre
eine Rationierung der direkteste Weg, Preise zu senken — indem die Nachfrage an
das Angebot angepasst wird — aber sie ist in Europa bislang selten. Nur die
Slowakei und Slowenien haben Kaufmengenbegrenzungen für Straßenkraftstoffe
eingeführt, weitere Länder könnten bald folgen. Preisobergrenzen hingegen
klingen für Verbraucher oft attraktiver und können internationale Preise sogar
senken: Zwischenhändler zahlen möglicherweise weniger, weil sie den Preis nicht
an ihre Kunden weitergeben dürfen. Aber Preisobergrenzen führen in der Regel
auch zu einem Rückgang des lokalen Angebots, weil Anbieter naturgemäß versuchen,
möglichst viel Produkt in Märkte zu verkaufen, in denen die Preise nicht
gedeckelt sind. Deshalb werden Preisobergrenzen häufig abgeschwächt, um diese
Nebenwirkungen zu vermeiden. Ungarn etwa hat die Kraftstoffpreise nur für Autos
mit inländischem Kennzeichen gedeckelt, nicht jedoch für andere Fahrzeuge. Von
Johannes Guhlke und Tomasz Stepien Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere
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