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US-iranische Waffenruhe drückt Ölproduktpreise

  • Märkte: Oil products
  • 08.04.26

Die Preise für europäisches Gasöl und Benzin fielen am 8. April, nachdem sich die USA und Iran über Nacht auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist seit der Ankündigung der Kampfpause bislang nicht gestiegen, da Reeder weiterhin auf Klarheit über Sicherheitsvorkehrungen und den Versicherungsschutz für Transitfahrten warten.

Der Frontmonat April der ICE Gasoil Futures fiel am 8. April um 16:30 Uhr deutscher Zeit verglichen zum Settlement des Vortags um knapp 20 % auf 1.218 $/t. Dieser Kontrakt dient als Basispreis, auf dessen Grundlage europäische Diesel- und Kerosin-Cargos sowie Binnenschiffsladungen gehandelt werden.

Benchmark Benzinbargen (non-oxy) wurden zur gleichen Zeit etwa 10 % günstiger gehandelt als der Schlusskurs vom 7. April.

Sowohl die ICE Gasoil Futures als auch non-oxy Benzinbargen lagen jedoch weiterhin über den Vorkriegsniveaus vom 27. Februar von 752,75 $/t beziehungsweise 690 $/t.

Der Rückgang der europäischen Ölproduktpreise folgte auf einen deutlichen Einbruch der ICE Brent Rohöl Futures, die seit dem 7. April um knapp 15 % gefallen sind.

Die Preise für europäisches Gasöl sind nach der Verkündung der Waffenruhe stärker gefallen als die für Benzin, da der Kontinent Nettоimporteur der ersten Produktgruppe und Nettoexporteur der zweiten ist. Diesel- und Kerosinlieferungen aus dem Nahen Osten machten im vergangenen Jahr laut Kpler rund ein Fünftel beziehungsweise die Hälfte der gesamten Importe der EU, des Vereinigten Königreichs und Norwegens aus.

Die USA und Iran erklärten am 7. April, die Kampfhandlungen für einen Zeitraum von zwei Wochen auszusetzen, um ein Friedensabkommen zu finalisieren. Ihre öffentlichen Stellungnahmen unterscheiden sich jedoch hinsichtlich des Status der Schifffahrt durch die Straße von Hormus, sodass weiterhin Unsicherheit über den Schiffstransit besteht.

Die faktische Schließung der Straße von Hormus seit Beginn des US-Israelischen Kriegs gegen den Iran am 28. Februar hat die Lieferungen von Diesel und Kerosin aus dem Nahen Osten im März deutlich eingeschränkt. Für April wird wegen fehlender Buchungen im März ein Rückgang der Ankünfte erwartet.

Der Waffenstillstand dürfte vorerst nicht zu einem Anstieg der Lieferungen aus dem Nahen Osten nach Europa führen. Für Produzenten in der Region ist es weiterhin profitabler, Produkt nach Fernost zu exportieren, was bedeutet, dass Europa weiterhin Schwierigkeiten hätte, mit anderen Regionen um verfügbare Mengen aus dem Nahen Osten und Indien zu konkurrieren. Und selbst wenn Schiffe sich jetzt auf den Weg Richtung Europa machen würden, bräuchten sie bis zur Ankunft zwischen vier und sechs Wochen.

Die USA bleiben also die attraktivste Quelle für europäische Dieselimporte, so ein europäischer Dieselhändler gegenüber Argus, da der Unterschied zwischen den Preisen an der US-Golfküste und in Nordwesteuropa vergleichsweise deutlich geringer ist.

Auch die Benzinpreise in Europa sind seit Beginn des Kriegs gestiegen. Dies ist auf eine geringere Verfügbarkeit von Rohöl sowie Rohbenzin und Kondensaten östlich von Suez aus dem Nahen Osten zurückzuführen.

Die Ankündigung der Waffenruhe hat bislang nur geringe Auswirkungen auf die aktuelle Marktstruktur für europäisches Gasöl und Benzin. Die Struktur der ICE Gasoil Futures blieb in ausgeprägter Backwardation, wobei der Frontmonat weiterhin knapp 100 $/t über dem Folgemonat gehandelt wird. Am 27. Februar betrug die Backwardation vor Kriegsbeginn nur 9,75 $/t. Sind Futures in Backwardation, zahlen Händler für prompt verfügbare Ware einen Aufschlag gegenüber späteren Ladefenstern. Die Kurve der Eurobob Oxy Benzin Swaps zeigte am Mittwochmorgen Mai Swaps mit einem Aufschlag von 29,25 $/t gegenüber den Juni Swaps, befinden sich also auch in einer Backwardation. Die Eurobob Oxy Futures-Struktur befindet sich zu dieser Jahreszeit normalerweise im Contango, da Händler ab Mai eine höhere Nachfrage und steigende Beimischungskosten einpreisen.

Reeder begrüßen Einigung, warten aber auf weitere Details

Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat bestätigte die Waffenruhe, erklärte jedoch, dass der diskutierte Vorschlag eine "fortgesetzte iranische Kontrolle über die Meerenge" festschreiben würde, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die mit den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) verbunden ist.

Seit der Ankündigung sind zwar einige wenige Schiffsbewegungen durch die Meerenge verzeichnet worden, darunter der griechische Massengutfrachter NJ Earth und die unter liberianischer Flagge fahrende Daytona Beach, wie der Trackingdienst MarineTraffic meldete. Insgesamt blieb das Verkehrsaufkommen jedoch begrenzt.

Die Waffenruhe könnte es ermöglichen, dass sich die kommerziellen Schifffahrtsströme nach Wochen minimalen Verkehrs infolge von Sicherheitsrisiken und Versicherungsbeschränkungen während der Kämpfe zwischen den USA, Israel und Iran jetzt erholen. Dass die Durchfahrten bislang nicht zugenommen haben, spiegelt die Unsicherheit über technische, sicherheitsrelevante und versicherungstechnische Details wider.

"Die Schifffahrtsindustrie wartet derzeit auf technische Details von den USA und von Iran dazu, wie die Straße von Hormus sicher passiert werden kann", sagte Jakob Larsen, Leiter für Sicherheit und Schutz beim Schifffahrtsverband Bimco. Er wies darauf hin, dass Iran weiterhin die Kontrolle über die Wasserstraße anstrebe.

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) begrüßt die Waffenruhe und arbeitet "mit den relevanten Parteien an der Umsetzung eines geeigneten Mechanismus, um die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus zu gewährleisten", sagte Generalsekretär Arsenio Dominguez.

Das maritime Sicherheitsunternehmen Ambrey erklärte, Iran habe trotz der Forderungen der USA nach uneingeschränkter Passage die Kontrolle über die Meerenge behalten. Es geht davon aus, dass sich das Risiko für die Schifffahrt im Nahen Osten während der Waffenruhe verringern wird, warnte jedoch, dass weiterhin "eine realistische Möglichkeit fortbestehender Risiken für nicht autorisierte Transite durch die Straße von Hormus sowie für mit Israel oder den USA verbundene Schiffe besteht, die einen Transit versuchen".

Marktteilnehmer sagten, die Zahl der Rohölladungen im Nahen Osten scheine zuzunehmen, fügten jedoch hinzu, dass die Aktivität zurückhaltend bleibe, bis die Versicherer die Bedingungen für den Versicherungsschutz klar definieren.


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