31/03/26
Europa uneins: Wie Verbraucher entlastet werden sollen
Europa uneins: Wie Verbraucher entlastet werden sollen
Hamburg, 31 March (Argus) — Mehrere europäische Länder haben nach Ausbruch des
Irankriegs Maßnahmen ergriffen, um die steigenden Kraftstoffkosten für
Verbraucher und Unternehmen abzufedern. Dazu gehören Steuersenkungen,
Preisobergrenzen, die Freigabe strategischer Ölreserven und Anpassungen der
Marktregulierung. Polen Polen hat die Steuern auf Kraftstoffe vorübergehend
gesenkt und einen befristeten Mechanismus zur Deckelung der
Kraftstoffeinzelhandelspreise eingeführt, um die Auswirkungen des Irankriegs auf
die Preise an der Zapfsäule zu begrenzen. Das Gesetz wurde im Eilverfahren durch
das Parlament gebracht und von Präsident Karol Nawrocki in den späten
Abendstunden des 27. März unterzeichnet. Die Regelung erlaubt dem
Finanzministerium, Kraftstoffsteuern bis zum 30. Juni zu senken. Am Wochenende
veröffentlichte das Ministerium Bestimmungen, die die Verbrauchssteuer auf
Benzin um 19 %und auf Diesel um 24 % unter den üblichen Satz senken. Die
reduzierten Sätze — 1.239 Zloty/1.000l (288,71 €/1.000l) für Benzin und 880
Zloty/1.000l für Diesel und Biodiesel — gelten von Ende März bis 15. April.
Zudem senkte das Ministerium die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vom 31. März bis
30. April von 23 % auf 8 %. Die Verordnung führt außerdem einen Mechanismus für
die Begrenzung von Einzelhandelspreisen ein. Die Höchstpreise für den 31. März
wurden auf 7,6 Zloty/l (1,77 €/l) für Diesel, 6,16 Zloty/l (1,44 €/l) für 95
Oktan Benzin und 6,76 Zloty/l ($1,58 €/l) für 98 Oktan Benzin festgelegt. Diese
Werte liegen im Durchschnitt etwa 15 % unter den Einzelhandelspreisen vor den
Steuersenkungen. Die staatliche Berechnung geht von einer Einzelhandelsmarge von
0,3 Zloty/l aus, während die meisten Händler 0,4 Zloty/l als fair ansehen, sagte
Unimot-Chef Adam Sikorski. Unimot berichtet, dass die Nachfrage nach Diesel und
Benzin in Polen — nach einem anfänglichen Anstieg zu Beginn des Kriegs im Nahen
Osten — ab der zweiten Märzwoche unter das durchschnittliche Februar-Niveau
gefallen sei. Besonders schwach sei die Nachfrage in der vergangenen Woche
gewesen, als die Großhandelsauslieferungen von Unimot rund 17 % unter dem
Februar-Wochenschnitt lagen, da Händler ihre Zukäufe in Erwartung der
Steuersenkungen verschoben. Die Versorgung mit Diesel und Benzin sei weiterhin
ausreichend, obwohl Importeure "um jedes Barrel kämpfen" und steigende
Importprämien tragen müssen, sagte Sikorski. Importeure profitieren von einer
erhöhten Inlandsprämie — der Differenz zwischen polnischen Großhandelspreisen
und den Notierungen im Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA). Die
Inlandsprämie sei seit Kriegsbeginn um rund 30 % gestiegen und liege bei etwa
850 Zloty/m³ (198 €/m³) für Diesel und 795 Zloty/m³ für unverbleites Benzin.
Sikorski warnte jedoch, dass ein globaler Angebotsengpass im weiteren Frühjahr
auch Polen treffen könnte, falls der Krieg weiterhin Exporte aus dem Nahen Osten
stört. Frankreich Frankreich hat ebenfalls gezielte Maßnahmen beschlossen,
darunter eine Kraftstoffkostenentlastung von 0,20 €/l für kleine und mittelgroße
Unternehmen im April 2026, mit Gesamtkosten von 50 Mio. €. Die Regierung
forderte Raffinerien zudem auf, die Produktion zu erhöhen. Betreiber der
Raffinerie Port Jérôme (236.000 bl/Tag) von North Atlantic sagte eine
Produktionssteigerung um 10 % für bestimmte Kraftstoffe zu. Darüber hinaus
wurden die Vorgaben zum Cloud Filter Plugging Point (CFPP) für Diesel von 15°C
auf 0°C gelockert — etwas früher als zum 1. April 2026 — um den Druck auf die
Jet Fuel Versorgung zu mindern. TotalEnergies stimmte zu, seine Preise ab dem
13. März 2026 auf 1,99 €/l für Benzin und 2,09 €/l für Diesel zu deckeln.
Österreich Die österreichische Regierung erhält ab Anfang April 2026 die
Möglichkeit, Kraftstoffpreise zu senken. Vorgesehen ist eine Steuerreduzierung
um 5 ct/l für Diesel und Benzin. Zudem können Gewinnmargen der Branche begrenzt
werden, falls die Nettopreise innerhalb von zwei Monaten um mehr als 30 %
steigen — mit dem Ziel einer zusätzlichen Entlastung von 5 ct/l. Preiserhöhungen
an Tankstellen werden bis Mitte April 2026 auf maximal drei pro Woche begrenzt.
Italien Italien hat am 19. März 2026 ein Dekret verabschiedet, das die Preise an
der Zapfsäule um 25 ct/l für Benzin und Diesel sowie um 12 ct/l für LPG senkt.
Das Dekret umfasst zudem Maßnahmen zur Eindämmung von Spekulation, zur stärkeren
Überwachung der Kraftstoffpreise und verpflichtet Mineralölunternehmen zur
Veröffentlichung von empfohlenen Preisen. Für den Straßengüterverkehr wurden
außerdem Steuererleichterungen für drei Monate angekündigt. Zuvor hatte Italiens
Premierminister angesichts der steigenden Kraftstoffpreise eine sofortige
Aussetzung des EU ETS für fossile Brennstoffproduzenten gefordert. Finnland
Finnland prüft Optionen für gezielte Maßnahmen und erwägt eine mögliche Freigabe
strategischer Ölbestände, die von Staat und Industrie gehalten werden. Die
Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass Helsinki 1,8 Mio. bl
freigeben wird. Finnland schloss sich zudem einem Non-Paper an, das sich gegen
grundlegende Änderungen oder eine Aussetzung des EU Emissionshandelssystems
(ETS) richtet. Dänemark Dänemark wird im Rahmen der IEA Freigabe 200.000 m³
Mineralölprodukte ausgeben, darunter 5.000 m³ Flugkraftstoff, 25.000 m³ Diesel
und 10.000 m³ Benzin. Weitere nationale Maßnahmen wurden bislang nicht
angekündigt. Dänemark sprach sich ebenfalls für den Fortbestand des EU ETS aus.
Norwegen Norwegen setzt ab dem 1. April 2026 für fünf Monate sämtliche Steuern
auf Straßenkraftstoffe aus. Die Maßnahme gilt sowohl für fossile als auch für
biogene Bestandteile der Endmischung und senkt die Kosten um 3,53 Nkr/l (0,31
€/l) für eine E15 Benzinmischung und um 2,28 Nkr/l für Diesel. Die Gesamtkosten
dieser Entlastung werden auf rund 3,3 Mrd. Nkr (294,2 Mio. €) geschätzt.
Norwegen stellt zudem 400.000 Barrel im Rahmen der Freigabe der IEA bereit.
Schweden Schweden senkt seine Straßenkraftstoffsteuer auf das EU Mindestniveau —
359 €/1.000l für unverbleites Benzin und 330 €/1.000l für Gasöl. Die
Steuersenkung für Benzin und Diesel tritt am 1. Mai 2026 in Kraft. Im Rahmen der
IEA Freigabe plant Schweden zudem, 2,1 Mio. Barrel Ölprodukte bereitzustellen.
Baltische Staaten (Litauen, Lettland, Estland) Die baltischen Staaten
koordinieren mit der IEA die Freigabe von insgesamt 154.000 t Öläquivalenten.
Litauen ordnete die Freigabe von 80.000 t Rohölreserven an, während Lettland die
Freigabe von 40.000 t Ölbeständen erwägt. Zusätzlich sollen die
Kraftstoffverbrauchssteuern gesenkt werden. Estland gibt 34.000 t
Mineralölprodukte frei und wird eine bereits geplante Erhöhung der
Kraftstoffsteuern aussetzen. Deutschland Deutschland hat ein Maßnahmenpaket
beschlossen , um auf steigende Kraftstoffpreise zu reagieren. Zudem kündigte die
Bundesregierung die Freigabe nationaler Ölreserven an, um die Auswirkungen des
Iran-Kriegs auf die internationale Ölversorgung abzufedern. Ein bayrischer
Staatsminister forderte darüber hinaus die Aussetzung des nationalen CO₂-Preises
auf Kraftstoffe. Der Anstieg der Kraftstoffpreise in Deutschland lag im
Vergleich zu EU-Nachbarländern im mittleren Bereich. Von Marc Hauschild und
Tomasz Stepien Senden Sie Kommentare und fordern Sie weitere Informationen an
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