28/04/26
Große globale Ölhändler rechnen mit langem Nahost-Krieg
Hamburg, 28 April (Argus) — Einige der weltweit größten
Rohstoffhandelsunternehmen bereiten sich darauf vor, dass sich der Krieg im
Nahen Osten über viele Monate hinziehen könnte. Gleichzeitig ziehen sie
weiterhin hohe Gewinne aus der extremen Volatilität, die der Konflikt ausgelöst
hat. Die US-Blockade des iranischen Handelsverkehrs hält an, während Versuche,
eine diplomatische Lösung zu finden, nicht vorankommen. Vitol, Trafigura,
Mercuria und Gunvor haben von den massiven Preisschwankungen und den physischen
Versorgungsunterbrechungen profitiert, die durch die faktische Schließung der
Straße von Hormus entstanden sind. Alle Unternehmen berichten von einer starken
ökonomischen Performance im ersten Quartal und erwarten, dass sich dies im
weiteren Jahresverlauf fortsetzt. Die Ölpreise sind seit Beginn des Krieges im
Nahen Osten am 28. Februar stark volatil, teils auch getrieben durch Beiträge
von US-Präsident Donald Trump in sozialen Medien. Der Frontmonat der ICE Brent
Futures näherte sich am 31. März mit 118,35 $/bl einem Vierjahreshoch. Die
Preise für tatsächlich physisch geliefertes Rohöl stiegen jedoch deutlich
stärker, während raffinierte Produkte wie Kerosin und Diesel sogar noch höhere
Niveaus erreichten. "Angesichts der extremen Volatilität — unter anderem
ausgelöst durch Tweets [in sozialen Medien] — ist es sehr schwierig, die
Situation zu managen. [Wir] sind daher vorsichtig optimistisch, dass wir bei
konsequentem Vorgehen ein recht gutes Jahr vor uns haben", sagte Jay Ng,
Finanzchef von Vitol, vergangene Woche auf dem FT Commodities Global Summit in
Lausanne. Der Finanzchef von Mercuria, Guillaume Vermersch, bezeichnete die
Ergebnisse seines Unternehmens im ersten Quartal als "sehr stark", trotz der
Erwartung höherer Schadensersatzforderungen und vertraglicher Streitigkeiten im
Zusammenhang mit Lieferunterbrechungen im Golf. Mercuria erzielte im vergangenen
Jahr einen Gewinn von 1,5 Mrd. $, und Vermersch erwartet, dass das Unternehmen
dieses Ergebnis im Jahr 2026 übertreffen wird. "Es gibt noch viele offene Fragen
und ungelöste Probleme, aber [dieses Jahr] dürfte stärker ausfallen", sagte er.
Auch BP verzeichnete für das erste Quartal 2026 außergewöhnlich gute Ergebnisse:
Die am 28. April von dem Unternehmen veröffentlichten Zahlen zeigen, dass der
Gewinn von 687 Mio. $ im Vorjahresquartal auf 3,84 Mrd. $ gestiegen ist.
Bereinigt um Lagerbewertungseffekte und Einmaleffekte lag der zugrunde liegende
Gewinn auf Basis von Wiederbeschaffungskosten bei 3,2 Mrd. $ und damit deutlich
über dem Konsens der Analystenschätzungen, die für BP einen Quartalsgewinn von
2,5 Mrd. $ erwartet hatten. Wie gut die Unternehmen im weiteren Verlauf des
Jahres abschneiden, wird jedoch maßgeblich davon abhängen, ob die
Versorgungsstörungen zu einer länger anhaltenden Phase hoher Volatilität führen.
"Ich sehe kein unmittelbares Ende dieses Konflikts, aber auch nicht, wie er auf
Dauer tragfähig sein soll", sagte Vermersch. Jeff Webster, Finanzchef von
Gunvor, erklärte, sein Unternehmen bereite sich "seit Beginn auf ein Szenario
eines langen Krieges vor". Gunvors Ergebnisse im ersten Quartal übertrafen
demnach bereits das gesamte Ergebnis des Jahres 2025. Auch Stephan Jansma —
Finanzchef von Trafigura — sagte, sein Unternehmen gehe davon aus, dass der
Krieg und die Störungen lange andauern könnten. Extreme Schwankungen Die
Unternehmen schöpfen aus den Erfahrungen früherer Krisen. Zwar erzielten sie
letztlich Rekordgewinne aus der Volatilität nach der umfassenden Invasion
Russlands in die Ukraine im Jahr 2022, hatten jedoch zunächst Schwierigkeiten zu
reagieren, da extreme Preisschwankungen höhere Nachschussaufforderungen (zu
englisch Margin Calls) auslösten und die verfügbare Liquidität belasteten. In
den Tagen vor und nach Beginn des aktuellen Krieges im Nahen Osten sicherten
sich Trafigura, Vitol und Gunvor rasch zusätzliche Kreditlinien, um ihre
Handelsfähigkeit in einem Umfeld hoher Preise entsprechend zu stärken. USA
erhöhen Druck auf Iran, während Gespräche stocken Die Straße von Hormus ist seit
fast zwei Monaten für die Schifffahrt weitgehend geschlossen. Die Blockade des
iranischen Handels durch die US-Marine hält trotz eines Waffenstillstands an,
von dem Trump am 21. April sagte, er gelte bis zu einer Einigung zwischen den
USA und dem Iran. Seit dem 13. April hätten die USA 38 Schiffe, die iranische
Häfen verlassen wollten, zur Umkehr gezwungen, teilte das Pentagon am 27. April
mit. Am 24. April verhängten die USA zudem Sanktionen gegen die chinesische
Raffinerie Hengli Petrochemical (400.000 bl/Tag) sowie gegen 19 Schiffe der
sogenannten Schattenflotte, denen vorgeworfen wird, iranisches Rohöl, LPG und
andere Erdölprodukte nach China, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach
Bangladesch zu transportieren. Die US Marine zwang eines dieser Schiffe, die
Sevan, zur Rückkehr an die iranische Küste, nachdem es versucht hatte, den Golf
von Oman zu passieren. "Wir haben die Blockade umgesetzt, und sie war
unglaublich effektiv", sagte Trump am 26. April gegenüber Fox News. Präsident
Trump traf sich am Montag mit seinen nationalen Sicherheitsberatern, um einen
iranischen Vorschlag für ein Abkommen zu besprechen, teilte das Weiße Haus mit.
"Der Präsident hat sich heute Morgen mit seinem nationalen Sicherheitsteam
getroffen. Sie werden sehr bald direkt vom Präsidenten zu diesem Thema hören",
hieß es. Details des iranischen Vorschlags wurden nicht veröffentlicht, und
Teheran hat öffentlich nicht bestätigt, Kontakt mit den USA aufgenommen zu
haben. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran, die das Weiße Haus für das
Wochenende in Pakistan angekündigt hatte, kamen letztlich nicht zustande. "Es
hat Entwicklungen in den Verhandlungen gegeben, aber der falsche Ansatz der USA
und überzogene Forderungen haben verhindert, dass die vorherige
Verhandlungsrunde ihre Ziele erreicht, trotz der erzielten Fortschritte", sagte
der Iranische Außenminister Abbas Araghtschi am 27. April während eines Besuchs
in St. Petersburg. Von Johannes Guhlke, Aydin Calik und Haik Gugarats Senden Sie
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