Die Handelsaktivität für HVO100 in Deutschland dürfte sich im laufenden Jahr nach Einschätzung mehrerer Marktteilnehmer gegenüber dem Vorjahr etwa verdoppeln. Ausschlaggebend hierfür ist, dass HVO zur TKW-Verladung bundesweit derzeit mit einem Abschlag zu B7-Diesel gehandelt wird, sodass Endverbraucher vermehrt auf das günstigere Produkt umsteigen.
Verbraucher haben in diesem Jahr Händlern zufolge deutlich mehr HVO100 angefragt als im Vorjahr. Insbesondere Kunden aus der Landwirtschaft und gewerbliche Flottenbetreiber hätten ihre Beschaffungsmengen ausgeweitet.
So berichtet ein Händler aus dem Süden Deutschlands, dass die verkauften HVO-Mengen in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 bereits klar über dem Gesamtjahresniveau von 2025 liegen. Auch andere Marktteilnehmer berichten von einem deutlich lebhafteren Handel und sprechen von einer erwarteten Verdopplung der Marktaktivität im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr.
Grund für diesen Anstieg ist zum einen der Wegfall der Doppelenrechenbarkeit fortschrittlicher Biokraftstoffe. Zuvor konnten fortschrittliche Biokraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen doppelt auf die Treibhausgasminderungsquote angerechnet werden. Darüber hinaus ist auch die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit von HVO gegenüber fossilem Diesel ausschlaggebend: So stiegen die deutschen B7-Inlandsdurchschnittspreise im Zuge des Iran-Krieges im Vergleich zum 27. Februar um bis zu rund 48 % an. HVO ist von dieser Entwicklung weniger stark betroffen, da der Kraftstoff nicht auf fossilen Rohstoffen basiert und anderen Preisbildungsmechanismen folgt.
Zum anderen wird diese Entwicklung durch historisch hohe Erlöse aus dem Handel mit Treibhausgasminderungen (THG-Minderungen) gefördert, welche durch das Inverkehrbringen von HVO generiert werden. Diese THG-Erlöse können genutzt werden, um die Großhandelspreise von HVO zu senken und das Produkt wettbewerbsfähig zu machen. So erreichten die aus dem Inverkehrbringen von fortschrittlichem HVO generierten THG-Erlöse in den vergangenen Wochen Rekordwerte und verharren weiterhin auf einem hohen Niveau (siehe Grafik).
Begründet ist der höhere THG-Erlös im anhaltenden Niedrigwasser auf dem Rhein: Ein erheblicher Anteil der deutschen Biokraftstoffversorgung gelangt über das Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen nach Deutschland gelangt, weshalb die niedrigen Pegelstände die Verfügbarkeit von Biokraftstoffen im Inland einschränken. Hierdurch wird die physische Erfüllung der THG-Quote erschwert, weshalb verpflichtete Unternehmen verstärkt auf den Erwerb von THG-Minderungen ausweichen müssen. Dieser Nachfrageanstieg hat den Wert von Minderungen steigen lassen und somit trotz reduzierter Produktverfügbarkeit die Wirtschaftlichkeit des Inverkehrbringens von HVO verbessert.
Daher nahm der traditionelle Aufschlag von HVO zu B7-Diesel zunächst ab. Seit Mitte August wird HVO bundesweit erstmals mit einem Preisabschlag gegenüber B7 gehandelt. Bei allgemein hohen Kraftstoffpreisen zeigen sich Verbraucher preissensibler, weshalb Kunden vermehrt zum günstigeren erneuerbaren Dieselkraftstoff greifen.
Der daraus resultierende Preisvorteil von HVO100 gegenüber B7-Diesel im Großhandel kommt mittlerweile zunehmend auch bei Endverbrauchern an. Während HVO100 an deutschen Tankstellen lange Zeit mit Aufschlägen von mehr als 20 ct/l gegenüber fossilem Diesel verkauft wurde, berichten Marktteilnehmer inzwischen von einer deutlichen Annäherung der Preise. Vielerorts bestehen inzwischen Aufschläge von 4 ct/l bis 8ct/l; an einzelnen Standorten wird HVO100 bereits günstiger angeboten als fossiler Diesel.



