Generic Hero BannerGeneric Hero Banner
Latest market news

Europas Spritmaßnahmen zeigen unterschiedliche Effekte

  • : Oil products
  • 26/04/09

Seit spätestens Anfang April haben zahlreiche europäische Länder Maßnahmen eingeführt, um die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs abzufedern. Die Eingriffe reichen von Steuersenkungen und Preisdeckeln bis hin zu regulatorischen Anpassungen und der Freigabe strategischer Reserven. Die Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch erheblich — mit entsprechend unterschiedlichen Effekten auf die Endverbraucherpreise für Diesel, Benzin und Heizöl.

Ein Vergleich der Verbraucherpreise des Weekly Oil Bulletin der Europäischen Kommission vom 30. März und 6. April zeigt, dass staatliche Eingriffe kurzfristig zwar dämpfend wirken können, die Effekte jedoch stark vom jeweiligen Maßnahmenpaket abhängen. Dies bestätigte sich auch nach rund sechs Wochen Irankrieg, als das Preisniveau im Vergleich zum 23. Februar in allen Ländern weiterhin erhöht blieb.

Polen: Eingriffe zeigen klaren Preiseffekt

Polen sticht im europäischen Vergleich deutlich hervor. Zwischen dem 30. März und dem 6. April sanken die Endverbraucherpreise für Diesel um rund 11 %, für Super 95 sogar um etwa 15 %. Damit verzeichnete Polen als eines der wenigen Länder in diesem Zeitraum einen klaren Rückgang der Kraftstoffpreise (siehe Grafik).

Der Preisrückgang fällt zeitlich mit einem umfassenden staatlichen Maßnahmenpaket zusammen. Warschau senkte Ende März sowohl die Verbrauchsteuer als auch die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe und führte zusätzlich einen befristeten Mechanismus zur Begrenzung der Einzelhandelspreise ein. Die festgelegten Höchstpreise lagen im Durchschnitt rund 15 % unter dem vorherigen Marktniveau.

Die Daten deuten darauf hin, dass die Kombination aus steuerlichen Entlastungen und direkter Preisregulierung unmittelbar bei den Verbrauchern ankam. Ein Unternehmen mit Tankstellen an der deutsch-polnischen Grenze berichtet, dass im Zuge der gestiegenen Kraftstoffpreise in Deutschland der sogenannte "Tanktourismus" deutscher Autofahrer nach Polen deutlich zugenommen hat.

Begrenzte Preisreaktionen trotz politischer Eingriffe

In mehreren westeuropäischen Ländern fiel die Preisentwicklung bei Diesel und Benzin zwischen dem 30. März und dem 6. April vergleichsweise moderat aus, darunter insbesondere Frankreich und Italien. Die Verbraucherpreise stiegen dort zwar weiterhin, die Wochenveränderungen blieben jedoch deutlich geringer als in Ländern ohne direkte Eingriffe oder mit zeitlich verzögerten Maßnahmen.

In Frankreich verteuerte sich Diesel im Wochenvergleich um rund 2 %, Super 95 um etwa 1 %. Die Entwicklung fiel in eine Phase, in der Regierung und Industrie auf eine Kombination aus freiwilligen Preisbegrenzungen, regulatorischen Anpassungen und Angebotsausweitungen setzten. Italien verzeichnete ähnliche Bewegungen: Diesel legte um rund 3 % zu, Super 95 um etwa 2 %, nachdem Rom Mitte März ein Dekret zur pauschalen Senkung der Zapfsäulenpreise beschlossen hatte.

In Österreich stieg der Dieselpreis um rund 1 %, während Super 95 im Wochenvergleich sogar um etwa 5 % nachgab. Österreich reduziert seit Anfang April die Steuer für Diesel und Benzin um 5 ct/l.

Im Unterschied zu Polen, wo steuerliche Entlastungen, Mehrwertsteuersenkungen und ein expliziter Mechanismus zur Begrenzung von Einzelhandelspreisen zeitlich zusammenfielen und unmittelbar zu sinkenden Preisen führten, wirkten sich die Maßnahmen in Frankreich und Italien bislang lediglich dämpfend auf den Preisanstieg aus. Ein klarer Rückgang der Kraftstoffpreise wie in Polen blieb dort aus.

Diese Gegenüberstellung unterstreicht, dass Art und Eingriffstiefe der Maßnahmen entscheidend für die kurzfristige Preiswirkung sind: Während Polen direkt in die Preisbildung eingreift, begrenzen andere Länder bislang vor allem die Dynamik, ohne den allgemeinen Aufwärtstrend vollständig umzukehren.

Weiter steigende Preise trotz Maßnahmen

In anderen Ländern stiegen die Kraftstoffpreise trotz politischer Ankündigungen weiter. In Deutschland verteuerten sich Diesel und Super 95 zwischen dem 30. März und dem 6. April um rund 6 % beziehungsweise 5 %. Zwar wurden Maßnahmenpakete beschlossen und die Freigabe nationaler Ölreserven angekündigt, konkrete steuerliche Entlastungen griffen jedoch erst später. Entsprechend zeigte sich kurzfristig kaum preisdämpfende Wirkung.

Auch in Dänemark legten die Kraftstoffpreise weiter zu. Dort beschränkten sich die bisherigen Schritte auf die Teilnahme an der koordinierten IEA-Freigabe von Ölprodukten, während nationale fiskalische Eingriffe bislang ausblieben.

Sechs Wochen nach Kriegsbeginn bleibt hohes Preisniveau

Im längerfristigen Vergleich zeigt sich, dass Diesel und Benzin am 6. April in allen betrachteten Ländern weiterhin deutlich über dem Niveau vom 23. Februar lagen, also vor Beginn des Irankriegs (siehe Grafik). Selbst in Ländern mit sichtbaren kurzfristigen Entlastungseffekten wie Polen konnte der kriegsbedingte Preisschub bislang nur teilweise kompensiert werden. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass sich die europäischen Mitteldestillatpreise eng an der Entwicklung der ICE Gasoil Futures als maßgeblichem Wiederbeschaffungswert orientieren und sich nur begrenzt von diesen entkoppeln können. Der ICE Frontmonat für Gasoil notierte am 7. April mehr als doppelt so hoch wie kurz vor Beginn des Irankriegs.

Die Daten unterstreichen entsprechend, dass nationale Maßnahmen zwar kurzfristige Preisbewegungen beeinflussen können, der grundsätzliche Aufwärtsdruck jedoch weiterhin von den internationalen Rohöl- und Produktmärkten ausgeht. Zeitpunkt, Umfang und Eingriffstiefe der Maßnahmen bleiben entscheidend für ihre Wirksamkeit.

Heizöl nur begrenzt entlastet

Im Gegensatz zu Kraftstoffen profitierten Heizölpreise deutlich weniger von staatlichen Eingriffen. In vielen Ländern legten sie auch zuletzt weiter zu, selbst dort, wo Diesel- und Benzinpreise stabil blieben oder sanken (sieh Grafik). Dies spiegelt wider, dass sich die meisten Maßnahmen gezielt auf den Verkehrssektor konzentrieren und der Heizölmarkt stärker dem internationalen Angebots- und Preisdruck ausgesetzt bleibt.

Endverbraucherpreise 6. April vs. 30. März

Endverbraucherpreise 6. April vs. 23. Februar

Generic Hero Banner

Business intelligence reports

Get concise, trustworthy and unbiased analysis of the latest trends and developments in oil and energy markets. These reports are specially created for decision makers who don’t have time to track markets day-by-day, minute-by-minute.

Learn more