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Historischer Tiefstand beim Pegel Kaub

  • Market: Oil products
  • 05/08/26

Der Pegel am Rhein-Engpass Kaub im Südwesten Deutschlands ist laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsinformationsdienst Elwis auf den niedrigsten jemals gemessenen Stand gefallen. Dies unterstreicht die Schwere der jüngsten Niedrigwasserperiode auf Europas wichtigster Binnenwasserstraße.

Der Pegel bei Kaub, der den Zugang vom Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) zu Zielen am Oberrhein wie Karlsruhe und Basel sowie über den Main nach Frankfurt ermöglicht, sank am 5. August auf 23 cm und soll laut Elwis bis zum Wochenende weiter auf rund 18 cm fallen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit weiterer Ladungsbeschränkungen für Binnenschiffe, die Westdeutschland versorgen.

Ein Reeder erklärte, dass ein Schiff mit einer maximalen Kapazität von 1.200 t derzeit lediglich 180 t transportiert und für die Strecke nach Karlsruhe fünf statt der üblichen zwei Tage benötigt. Spezialisierte Schiffe, die breiter und länger sind, aber mit geringerem Tiefgang fahren können, können maximal 700 t laden.

Nach Angaben von Reedern werden Frachtraten-Verhandlungen inzwischen überwiegend auf Basis von Pauschalverträgen geführt, da die traditionelle Spotberechnung für viele Kunden den Markt nicht mehr abbildet. Marktteilnehmer berichteten zudem, dass die Spotraten seit Wochenbeginn trotz weiter sinkender Wasserstände kaum noch steigen.

Reeder verwiesen außerdem darauf, dass selbst bei Niederschlägen im Rheineinzugsgebiet in den kommenden Tagen oder Wochen eine Erholung der Wasserstände verzögert eintreten dürfte. Die außergewöhnlich trockenen Böden im Oberrheingebiet würden zunächst einen Großteil des Regens aufnehmen, bevor dieser den Abfluss erhöht. Es könne daher mehrere Tage dauern, bis die Pegelstände spürbar ansteigen.

Der bisherige Tiefststand wurde am 22. Oktober 2018 registriert, als der Pegel bei Kaub während der historischen Rheindürre auf 25,3 cm fiel. Damals wurde der Binnenschiffsverkehr über Monate beeinträchtigt, während die Frachtkosten für Raffinerien, Chemieproduzenten und andere Industrieabnehmer deutlich stiegen. Der Wert von 2018 galt bislang als historisches Minimum und wurde nun unterschritten.

Das Niedrigwasser beschränkt sich nicht auf den Oberrhein. In Duisburg-Ruhrort, dem Tor zum Niederrhein und Deutschlands größtem Binnenhafen, lag der Pegel am 5. August bei 154 cm. Elwis prognostiziert bis zum Wochenende einen Rückgang auf etwa 145 cm. Der niedrigste Wert seit 2014 lag bei 153 cm und wurde sowohl im Oktober 2018 als auch im August 2022 erreicht.

Beim aktuellen Pegelstand von 154 cm fahren Standardschiffe mit einer Länge von 110 m lediglich mit rund 25 % ihrer maximalen Kapazität von etwa 2.000 t. Spezialschiffe mit geringerem Tiefgang können größere Ladungsmengen transportieren. Da der Pegel im Laufe der Woche auf etwa 145 cm sinken dürfte, überprüfen Reeder die Lage derzeit täglich neu.

Besonders kritisch ist die Versorgung mit Benzin. Die Einschränkungen auf dem Rhein behindern den Transport von Blendingkomponenten und verschärfen die Produktknappheit im Binnenmarkt. Gleichzeitig weiten sich regionale Preisunterschiede aus: Ein Überangebot im Raum Karlsruhe zwingt Verkäufer zu Preisabschlägen, während die knappere Verfügbarkeit in Westdeutschland die Preise steigen lässt.


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